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Kirche total [...] Als Fremder fällt man auf, man wird freundlich beäugt und noch freundlicher und mit wohlwollendem Nicken begrüßt. Schließlich soll es ein guter Morgen werden für die Gäste, und, Gott weiß, vielleicht sind es ja auch potenzielle neue Gemeindemitglieder? Aus dem Kellergeschoss dringt Musik – man kommt sich eher vor wie auf dem Weg zu einem Rockkonzert denn zum Gottesdienst. Im Gebetsraum angekommen, wird dieser Eindruck noch verstärkt. Statt andächtig auf den Stühlen zu sitzen und kontem-plativer Orgelmusik zu lauschen, werden hier Liedstrophen aus tiefstem Herzen geschmettert und dazu wird getanzt: Jesus rockt! Und mit ihm die Gemeinde. Fast alle haben die Hände in der Luft, als ob sie den Heiligen Geist wirklich berühren könnten. Das Durchschnittsalter ist im Gegensatz zum typischen Sonntag in der katholischen oder evangelischen Amtskirche beeindruckend niedrig: Junge Familien, Paare und sogar coole Teenies machen den Großteil der Gläubigen aus. Fast eine Stunde dauert das Gotteskonzert. Dann kommt Pastor Gerold Wienbeuker auf die Bühne und predigt zum Thema „Wie finde ich Freunde, auf die ich bauen kann?“ Einen Altar gibt es nicht, dafür aber eine Bühne und eine Kamera, die Gestik und Mimik des Predigers auf die aufgehängten Leinwände projiziert. Wienbeuker will so gar nicht in das gängige Bild eines Priesters passen: Statt Talar und Gebetsschal trägt der 42-Jährige hippe Sneakers, weite Jeans, Goldkettchen und eine dunkelrot gefärbte Haarsträhne in der jugendlichen Gelfrisur. Voll Inbrunst spricht er zur Gemeinde. Für englischsprachige Besucher gibt es eine Simultanübersetzung – schließlich soll jeder das Wort des Herrn verstehen. Draußen im Foyer hängt eine Karte des Rhein-Main-Gebietes an der Wand. Daneben sind Zettel mit Fotos, Adressen und Angaben über freie Plätze: „Hier sieht man, wo es in der Nachbarschaft eine Hauszelle gibt. Da trifft man sich dann und führt gute Gespräche über Gott und die Welt“, erklärt die 48-jährige Ute. Die Lehrerin strahlt: „Es geht ums Christsein im Alltag.“ Dann will sie wissen, ob wir das erste Mal dabei sind. Sind wir. „Ich wünsche euch einen ganz tollen, segensreichen Gottesdienst.“ [...] |
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